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Was geht, Schweizer Mode?

In «Sonntagsblick Magazin», Mode on 10. September 2017 at 12:58

Der wichtigste Anlass der Schweizer Mode, die Mode Suisse, ging diese Woche zum zwölften Mal über die Bühne. Eine freudvolle Angelegenheit wars nicht.
Sie hätte der Höhepunkt der Mode Suisse werden sollen: die gemeinsame Kollektion von Designer Julian Zigerli (33) und dem Label En Soie, bei dem Anna Meier (27), die Tochter von Yello-Mitglied Dieter Meier, das Design-Team leitet.

Beide Marken sind fester Bestandteil der hiesigen Modelandschaft und prägten die Mode Suisse von Beginn an mit. Bei dieser Laufsteg-Show, die zweimal jährlich stattfindet, zeigen etablierte und aufstrebende Schweizer Designer seit 2012 ihre Kollektionen vor einem geladenen Branchenpublikum.

Als am Montagabend im Zürcher Schiffbau zum Abschluss endlich die Kollektion der beiden Darlings enthüllt wurde, waren die Reaktionen verhalten. Zigerlis verspielte Wildheit gepaart mit dem braven Mädchen-Charme von En Soie – das Ergebnis sah etwas gar nach Kinderkleidern aus. Daran änderte auch der Hardrock in Stadionlautstärke nichts, zu dem die Models in Regenmänteln den Laufsteg hinunterschritten.

Kollaborationen sind in der Mode angesagt, weil sich Marken damit einfach neue Kundensegmente erschliessen können. Gut, wenn die Brands sich auf kreativer Ebene befruchten. Schlecht, wenn nicht.

Als Zuschauer weiss man bei der Mode Suisse nie genau, was die anderen über das Gezeigte denken. Die Schweizer Modebranche ist klein – kein Insider möchte das zarte Pflänzchen mit dem Gift der Kritik vernichten, niemand als Nestbeschmutzer dastehen.
So sitzt man also unter den heissen Bühnenscheinwerfern und fragt sich, ob es noch andere gibt, die sich beim Anblick von umfunktionierten Häkeldecken, zerschnittenem Latex und clownesken Unisex-Kostümen nach einem klitzekleinen bisschen Glamour sehnen.

Den Star des Abends hat sich Louis Vuitton geschnappt

Vermutlich schon. Denn immer, wenn das Muster für einmal durchbrochen wird, bedankt sich das Publikum mit Jubelstürmen. So geschehen bei der Kollektion des jungen Westschweizers Kévin Germanier, dessen nachhaltig produzierte Glitzerkleider in der Chronologie dieses Abends herausstachen wie eine Drag-Queen unter Architekturstudenten. Es wird vorerst seine letzte eigene Kollektion bleiben, Germanier tritt eine Stelle als Designer bei Louis Vuitton in Paris an. Schön für ihn, schade für die Schweiz.

Yvonne Reichmuth, die an der Mode Suisse ihre von SM inspirierte Leder-Accessoires-Linie Yvy vorführte, ist international bereits etabliert. Stars wie Kristen Stewart tragen Yvy. Und die in der Schweiz lebende Iranerin Lida Noba darf ihre verträumte Kollektion dank ihrer Teilnahme an der Mode Suisse während der Paris Fashion Week in einem Showroom ausstellen.

Viele Entwürfe dieses Abends, darunter die des Basler Design-Duos Collective Swallow, erinnern zu stark an ein internationales Top-Label, das seit kurzem in Zürich seinen Hauptsitz hat: Vetements. Der Chefdesigner Demna Gvasalia revolutionierte mit seinem Anti-Stil die Mode. Indem er zum Beispiel ein T-Shirt mit DHL-Schriftzug mit einem Vetements-Etikett versah und es so zum Must-have machte.
Klar könne das jeder tun, sagte Gvasalia in einem Interview. Aber er sei der Erste gewesen, der die Idee hatte. Schweizer Jungdesigner tun gut daran, es ihrem Idol gleichzutun und auf ihre eigene Handschrift zu setzen.

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Version Blick.ch

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