Journalist

Markenzeichen der Macht

In «Sonntagsblick Magazin», Mode on 9. Juli 2017 at 08:18
Kleider machen Leute, das wissen Politiker am besten. Ob Gel-Frisur oder bunte Socken: Am G-20-Gipfel haben fast alle ein modisches Erkennungsmerkmal.

Der blaue Anzug: Er ist das Markenzeichen von Emmanuel Macron (39), dem Ryan Gosling der Weltpolitik. Früher war der schnittige Staatspräsident Frankreichs Investmentbanker, eine Berufsgruppe mit schlechtem Image und tendenziell protzigem Auftreten. Als Gesicht der Bewegung La République en Marche muss der 39-Jährige nun Bescheidenheit demonstrieren, was sein Outfit unterstreichen soll. Blau wirkt sportlich – die Farbe gefällt jedem. Ohne Krawatte würde Macron so auch in ein Marseiller Strassencafé passen. Die Anzüge kauft er für umgerechnet rund 370 Franken in einer kleinen Pariser Herrenboutique namens Jonas et Cie.

Die klobige Halskette: Sie verleiht dem Look von Theresa May (60) die Strenge, die sie als Brexit-Verhandlerin auch am G-20-Gipfel braucht. Die einst exzentrischen Auftritte der Premierministerin Grossbritanniens sind zurückhaltender geworden. Spätestens seitdem ihr die Mehrheit im Unterhaus abhandenkam, machen sich Lackstiefel und Mäntel mit fröhlichen Blumenmustern öffentlich nicht mehr so gut. Lieber inszeniert sich May als Frau für jedermann und posiert in der US-«Vogue» in einem Look der britischen Kleiderkette LK Bennet von vergangener Saison.

Die Gel-Frisur: Sie gehört zum Präsidenten von Mexiko wie die perfekt geschnittenen Anzüge und die Krawatten in den Farben der mexikanischen Flagge. Enrique Peña Nieto (50) sieht nicht nur aus wie ein lateinamerikanischer Filmstar, er ist auch noch mit der Telenovela-Schauspielerin Angélica Rivera verheiratet. Sein geschleckter Auftritt scheint zu sagen: Ich bin genauso proper, wie ich aussehe. Auch wenn ihm das nicht alle abnehmen.

Der Dreiknopf-Blazer: Ohne ihren geliebten Dreiknopf-Blazer geht Angela Merkel (62) nicht arbeiten. Die Teile sind massgeschneidert und stammen meist aus dem Atelier der Hamburger Designerin Bettina Schoenbach oder von Anna von Griesheim aus Berlin. Ein deutsches Lifestyle-Portal hat die Outfits der Bundeskanzlerin genau untersucht und herausgefunden: «Angie» trägt bei offiziellen Anlässen am liebsten Grün, bei Koalitionsverhandlungen neutrale Töne wie Blau und bei Verhandlungen mit der SPD niemals deren Erkennungsfarbe Rot, wie am G-20-Gipfel. So bieder ihr Tenue auch erscheinen mag: Es gibt kaum jemand in der Politik, der sich taktischer kleidet als Merkel.

Die rote Krawatte: Für die Krawatten von Donald Trump (71) hat jemand auf der Social-Media-Plattform Instagram einen Spass-Account eingerichtet, auf dem die Teile mit Fotos dokumentiert werden. Sie sind meistens rot, immer sehr lang, manchmal mit Klebstreifen zusammengeflickt. «Mir gefällt der Look», sagte der US-Präsident in einem TV-Interview und betonte, dass ihn viele kopieren würden. Stimmt nicht, aber macht ja nichts. Fakt ist: Seine Krawatten kommen autoritär rüber. Dazu die Anzüge: glänzend, kastenförmig, selten zugeknöpft. Stilregeln schlägt Donald Trump in den Wind. Leider nicht nur bei seinen Outfits.

Die schrillen Socken: Mit ihnen sorgt Justin Trudeau (45) für Aufsehen auf dem politischen Parkett. Am Freitag in Hamburg trug der Premier Kanadas ein besticktes Paar in Rot, am offiziellen «Star Wars»-Tag ein passendes Paar mit Filmfiguren und jüngst bei einem Auftritt im Rahmen der Gay-Pride Socken in den Farben der Regenbogenflagge. Dass er auf denselben gleich noch den Muslimen mit einem eingestickten Schriftzug zum Ende des Ramadans alles Gute wünschte, zeigt, dass es ihm nicht nur um Spass geht. Trudeau, Vorsitzender der liberalen Partei, nutzt die wenigen Möglichkeiten, die er als Anzugträger hat, für politische Botschaften.

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Version Blick.ch

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