Journalist

Praktisch zu Tisch

In «Sonntagsblick Magazin», Gesellschaft on 19. März 2017 at 13:46
Küchengeräte sind auch nicht mehr wie früher. Neu spucken Sie schon mal ganze Menüs aus. Unser Autor Jonas Dreyfus hat eine der Wundermaschinen getestet. Und sich nach weiteren Gadgets umgesehen, die das Kochen schneller und leichter machen.

 «‹Folgen Sie der kulinarischen Revolution!› Mit diesem Slogan wirbt die deutsche Firma Vorwerk aus Wuppertal für den Thermomix, der fast jedes andere Küchengeräte überflüssig machen soll.

Herzstück der Maschine ist ein heizbarer Trichter, an dessen Boden sich ein S-förmiges Messer dreht. Zwiebeln dünsten geht ruckzuck: Geschälte Hälften in den Trichter werfen, vier Sekunden häckseln, zweieinhalb Minuten dünsten. Fertig.

Der Trichter hält auf fünf Grad genau die Temperatur und steht auf einer hoch präzisen Waage, die sich per Knopfdruck auf null stellen lässt. Wenn das Rezept also sagt: 15 g Tomatenpüree hinzufügen, dann löffle ich Püree in den Trichter, bis die elektronische Anzeige von 0 auf 15 g hochgezählt hat. Messbecher und pedantisches Mise en Place erübrigen sich.

Für das Gerät gibt es sogar Speicherkarten mit Rezepten. Das Display gibt Schritt für Schritt Anweisungen. Ich bin jemand, der immer wieder das Rezept konsultieren muss und auch mal Zutaten vergisst, weshalb ich oft Dinge koche, die ich intus habe. Diese Entschuldigung gilt jetzt nicht mehr.

Im Trichter lassen sich mit den entsprechenden Aufsätzen auch Teige kneten, Nüsse zerkleinern, Saucen rühren, im aufsetzbaren, länglichen Behälter Gemüse und Fleisch, in einem Sieb Reis dämpfen. Ganze Menüs kann das Gerät kochen, nur scharf anbraten geht nicht.

Ich probiere Rezepte für Gulasch, überbackene Peperoni, Königsberger Klopse sowie Lachs-Cannelloni. Beim roten Thai-Curry passiert mir erstmals ein Fehler: Ich aktiviere für eine gefühlte Hundertstelsekunde das Messer anstelle der Rührfunktion. Das Pouletfleisch ist danach püriert.

Absolutes Highlight ist die Qualität des Risottos. Ich kann die ganze Flüssigkeit zum Reis in den Trichter geben und lasse die Maschine einfach rühren ohne ein einziges Mal nachzugiessen. Praktisch für einen Abend mit Gästen. Wer will schon schwitzend in der Küche stehen, während sich die anderen amüsieren.

Fazit: Der Thermomix ist ein tolles, aber teures Hilfs mittel für Gastroaffine wie mich, die ihn für einzelne Abschnitte im Kochprozess verwenden. Liebhabern von Fertiggerichten bietet er eine gesunde Alternative: Mit wenig Fett und kleinem zeitlichem Aufwand lassen sich frische Gerichte zubereiten. Die Komplettmenüs langweilen mich aber auf die Dauer. Etwas will ich ja auch noch selbst machen.»

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