Journalist

Gosha goes West

In «Sonntagsblick Magazin», Mode on 22. Januar 2017 at 19:32

Der russische Designer Gosha Rubchinskiy feiert mit Ostblockschick Erfolge. Jüngster Coup: Eine Kollaboration mit Adidas Football.

Stars aus Los Angeles, Moderedaktoren aus Paris, Hipster aus London – alle reissen sie sich gerade um die Männermode des Russen Gosha Rubchinskiy (32).

Seine nach ihm selbst benannte Marke gilt als Inbegriff von Neu. Dabei trieft sie eigentlich nur so vor Nostalgie. Rubchinskiy erlebte die Post-Sowjet-Ära in den 1990er-Jahren als Jugendlicher im Norden von Moskau hautnah mit.

Junge Russen rissen sich damals um Konsumgüter aus dem Westen. «Alles war mit Logos versehen», sagt der modische Autodidakt. «Es war das erste Mal, dass wir so etwas kaufen konnten. Dieser Zeit zolle ich heute Tribut.»

Sichel und Hammer erobern Paris

Logos von verstaubten Marken wie Fila, Kappa oder Sergio Tacchini erhalten bei ihm eine «Goshaisierung». Er kombiniert sie mit dem kyrillischen Schriftzug seines eigenen Namens oder kreuzt sie mit Elementen der Sowjet-Flagge.

Bereits bei seiner zweiten Pariser Show im Jahr 2015 bekam das Publikum ein mit Hammer und Sichel bedrucktes T-Shirt zu sehen. Es war im Nu ausverkauft.

Goshas jüngster Coup: die Zusammenarbeit mit der Fussball-Linie von Adidas, Sponsor der Weltmeisterschaft 2018 in Russland. Erste Teile präsentierte der junge Wilde vergangene Woche in Kaliningrad, ehemals Königsberg.

Dass er für die Show keine Modemetropole wählte, sondern die unwirtliche Hauptstadt einer russischen Exklave an der Ostsee, macht Sinn. Die unterkühlte Tristesse ehemaliger Ostblockstädte und ihre Bewohner waren bei ihm schon angesagt, als er noch als Fotograf arbeitete. Seine Bilder jugendlicher Skateboarder in Moskauer Vororten sorgten international für Aufsehen.

Viele dieser Kids arbeiten heute für ihn als Fashion-Models: bleiche, kahl geschorene Jungs mit hartem Gesichtsausdruck. Oder Fussballfans. Rubchinskiy sagt in einem Interview: «Wenn ich in meinem Quartier in Moskau herumlaufe, sehe ich viele junge Typen vom Fussballspielen nach Hause kommen. Sie tragen Trainingsanzüge und einen Mantel darüber.» Diese Burschen inspirierten ihn, Sportklamotten mit klassischer Herrengarderobe zu kombinieren.

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Version Blick.ch

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