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In «Sonntagsblick Magazin», Mode on 26. April 2015 at 08:00
bild_sandalenDesigner folgen der Spur des Physikers Albert Einstein: Sie stecken Männerfüsse in ein umstrittenes Schuhwerk, in Sandalen. Dafür gebührt ihnen Dank.

Sie sind ein Mann und haben Lust, im Frühling offene Schuhe zu tragen? Dann seien Sie auch einer, und tun Sie es. Denn: Die Chancen stehen aktuell besonders gut, Sandalen zu finden, die perfekt zu Ihrem Typ passen: und Flip-Flops, Trecking-Sandalenoder Badelatschen doppelt alt aussehen lassen.

Die Designer halten am Schuh-Cabrio fest – obwohl für die Männersandale der Stand noch immer schwer ist. Ihnen haftet beharrlich etwas Feminines an. Wer sich daran stört, kombiniert sie mit Elementen aus der klassischen Herrengarderobe, etwa einem sommerlichen Anzug.

Am besten begrüssen Sie aber einfach Ihre zarte Seite – so wie Albert Einstein, der auf einem Foto aus dem Jahr 1939 fast schon girlie wirkt, wie er da am Strand von Long Island in Sandalen sitzt und die Seele baumeln lässt: soweit das für ein Physikgenie überhaupt möglich ist. Laut Berichten hat er sein Schuhwerk für 1.35 Dollar in einem lokalen Warenhaus erstanden. Ein Mann in Sandalen hat also die Relativitätstheorie entwickelt – das spricht eigentlich für sich.

Frei liegende Zehen können uns aber trotzdem ins Elend leiten. Vergangene Woche etwa berichteten britische Medien über einen Geistlichen, der in Ipswich, einer Kleinstadt im Nordosten Englands, nicht in ein Pub durfte, weil er Sandalen ohne Socken trug. Die Verletzungsgefahr sei zu gross, befand der Türsteher, womit er nicht Unrecht hat: Scherben sind der Horror jedes Sandalenträgers.

Was allerdings gar nicht geht, auch wenn uns derzeit Modemacher das Gegenteil weismachen wollen, sind Socken in Sandalen. Dieser Meinung sind auch 1600 zum Thema befragte Briten, die Socks and Sandals zum grössten Mode-Fauxpas ever erkoren. Der abgewiesene Geistliche bezeichnete die Kombination in einem Interview mit dem Fernsehsender BBC gar als Satanswerk. Wer allerdings das Foto seiner klerikalen Krallen gesehen hat, kann nachvollziehen, dass man damit nicht an einen Ort gelassen wird, an dem Menschen essen und trinken.

Wenn Sie also Ihre Füsse zeigen, dann sorgen Sie im Interesse aller dafür, dass diese einigermassen appetitlich daherkommen. Ohne schulmeisterlich wirken zu wollen: Das Jahr hat 525 600 Minuten, das Schneiden der Zehennägel dauert keine fünf.

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