Journalist

Klare Signale

In «Sonntagsblick Magazin», Mode on 12. April 2015 at 16:10
Die Mode zeigt deutlich, wie elektrisierend Kontraste sind: Mit Schwarz-Weiss können wir im Sommer vieles richtig, aber auch einiges falsch machen.

Unsere Augen sind zu bedauern. Täglich sind sie der totalen Reizüberflutung ausgesetzt, all den Farben, Lichtern und anderen Informationen. Umso willkommener sind ihnen folglich Pausen vom formalen Chaos: ein Blick in den glasklaren Frühlingshimmel, auf das offene Meer hinaus oder – die aktuelle Mode machts möglich – auf Schwarz-Weiss-Malereien.

Denn trotz Zickzack und Streifen wirkt das Zusammenspiel der Nichtfarben erstaunlich beruhigend. «Die Schönheit von Schwarz und Weiss ist absolut», sagte schon Coco Chanel.

Bis heute bringen Designer die geordnete Ästhetik immer wieder zurück in die Mode. Etwa Alexander Wang, der den kommunen Strichcode auf Gürtel druckt. Strichcodes sind auf den Kleidern des New Yorkers ein immer wiederkehrendes Motiv. Sie stehen für Konsum und Massenware – womit Wang, der unlängst eine Gastkollektion für H&M gestaltet hat, etwas anfangen kann.

Richtungsweisend wie Verkehrszeichen sind die gezackten Muster, mit denen Balmain oder Halston Heritage ihre Kleider versehen. Roy Halston galt in den 1970er-Jahren als grösster US-Designer. Seine Kreationen standen für den Edelglamour dieser Dekade, Stars wie Elizabeth Taylor oder Liza Minnelli trugen sie im legendären Nachtclub Studio 54. Heute werden die Entwürfe für ein Publikum weiterentwickelt, das bodenlange Kleider fernab der Tanzflächen trägt.

Schwarz-weisse Streifen fürs Büro, Seglerlook für den Strand

Halstons Look beweist, wie sehr sich der schwarz-weisse vom blauweissen Ringellook unterscheidet. Er ist «Arty» und «Business», sprich, er kann problemlos an einer Kunst-Vernissage oder im Büro getragen werden. Segler-Streifen hingegen stehen für «Casual»und passen am besten an den Strand oder ins Bistro.

Übrigens: Im Herbst und Winter geht es mit Schwarz-Weiss respektive mit «Monochrome», wie das Kontrasprogramm im Fachjargon heisst, ungebremst weiter. Valentino zeigt, wie modern Schachbrett im Muster-Mix aussehen kann. Kein Label interpretiert die Sixties im Moment moderner.

Denn so universell der Look auch ist: Wenn Sie darin aussehen, als würden Sie an eine «Mad Men»-Party gehen, müssen Sie sich umziehen. Dasselbe gilt, wenn das Outfit an einen Sträfling erinnert. Oder Sie darin als Kellnerin durchgehen.

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