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Stil am Griff

In «Sonntagsblick Magazin», Mode on 8. Februar 2015 at 10:26

bild_trends_ss15_menDie Männermode boomt und setzt für Frühling und Sommer auf tolles Gepäck für Ihn.

Taschen haben sich gewaschen: Noch nie sah man so viele coole Gepäckstücke für Männer wie in den Frühlingsund Sommerkollektionen, die jetzt in die Läden kommen.

Etwa beim römischen Modehaus Fendi. Silvia Venturi Fendi, Enkelin des Gründervaters, hat sich in diesem Bereich von den Farben Jamaikas inspirieren lassen. Ihre ledernen Rucksäcke sind blau wie das Karibische Meer und mit kleinen Bommeln im Rot der Rastafari-Flagge behängt. Sie liebe Bob Marley, sagt die Designerin. «Er war so elegant in Jeans und mit T-Shirt.»

Ob sich Marley in Fendi wohlgefühlt hätte, ist zu bezweifeln. Sicherer ist: Das Label bringt den Männermode-Look der kommenden Saison auch bei den Kleidern und Schuhen auf den Punkt. Der zweifarbige Anzug sitzt locker (Stichwort «Lounge»), die Hosen sind etwas weiter, khakifarben und mit Bundfalten versehen, die Füsse stecken in Sandalen. Ganz wichtig: Ein Tuch muss um den Hals. Tücher sind die neuen Krawatten. Überhaupt ergänzen sich formelle Kleidungsstücke wie der Anzug mit Alltags- und Sportklamotten immer besser. Denn Mode richtet sich vermehrt an die wachsende Zielgruppe der Young Urban Males, kurz «Yummies»: junge, städtische Männer, die gut verdienen und reichlich Geld für sich selbst ausgeben, bevor sie später im Leben vielleicht eine Familie gründen.

Eine grosse Tasche für Sonnenbrille und Portemonnaie

Mit dem Ergebnis, dass der Markt der Männermode im Moment stärker wächst als jener der Frauenmode. Vor allem in der Accessoires-Industrie: Männer geben jährlich sechs Milliarden Franken für Taschen aus. Bereits jedes fünfte Luxusmodell, das über den Ladentisch geht, ist für Männer.

Dafür verantwortlich ist vor allem der asiatische Markt. Mario Margelist, Lederwaren-Spezialist und Geschäftsführer des Schweizer Taschenbrands Van Astyn, ist von Berufes wegen oft in Asien unterwegs. «In Hongkong trägt jeder Mann eine relativ grosse Handtasche», sagt er. «Es gehört dort einfach dazu. Auch wenn meistens ausser Sonnenbrille und Portemonnaie nichts drin ist.»

Margelist verzichtet bisher darauf, eine Männerlinie herauszubringen. «Schweizer Männer sind bisher noch zurückhaltend, wenn es um auffällige Modelle geht.» Eigentlich kein Wunder, gerade im Taschen-Sektor hat man ihnen schon einiges angedreht, wofür sie später ausgelacht wurden. Wir erinnern uns beispielsweise an die Hip-Bag, die Bauchtasche, aus der man mit spitzen Fingern und angezogenen Schultern nach Schlüsseln kramte. Oder noch schlimmer: die neonfarbenen Invicta-Rucksäcke aus Italien. Auch die Messenger-Bag von Freitag hat ihren Velokurier-Mief nie ganz losgekriegt. Dann noch das sogenannte Detlef-Täschchen, das Männer in den 1980ern mit einer Schlaufe am Handgelenk trugen – ein stilistisches Desaster. «Schweizer griffen bisher lieber auf Klassiker wie die Aktentasche zurück», sagt Margelist. «Nur der Rucksack setzt sich langsam, aber sicher durch.»

Nun wollen uns die Designer in ihre Tasche stecken. Die grosse Nachfrage aus Asien hat sie im Willen bestärkt, die Restwelt mit möglichst vielen und vielfältigen Modellen zu erobern. Margelist: «Jetzt ist für Männer sicher ein guter Moment, sich nach einer Tasche umzusehen.»

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