Journalist

Einfach Spitze

In «Sonntagsblick Magazin», Mode on 1. Februar 2015 at 15:19
bild_ss15Entspannen Sie sich! Der nahe Modefrühling/-sommer feiert Romantik, Hippie-Liebe und Nostalgie. Etwas Mut zur Hässlichkeit ist auch gefragt. 

Es ist so weit: Wir dürfen Ihnen die Modetrends der kommenden Saison vorstellen. Eines vorweg: Frühling und Sommer werden sehr entspannt. Wie eine Hipster-Hochzeit auf einer vom Meer umspülten Klippe irgendwo auf Ibiza oder in Mexiko. Der Dresscode: «Come as you are». Komm, wie es dir gefällt.

Sie können damit nichts anfangen, finden Hipster doof und machen am liebsten Wanderferien in der Schweiz? Kein Problem. Das ist es gerade, was die Mode im Moment ausmacht: Vieles kann, nichts muss. Sprich: Man schaut dem Treiben ein bisschen zu und pickt sich nach Lust und Laune aus dem riesigen Sammelsurium an Mikro-Trends heraus, was einem passt.

Zum Beispiel ein kurzes Kleidchen aus Spitze. Die flatterhaften Dinger sind Kernstück eines Trends der Mode, der gerade unaufhaltsam auf uns zurollt: romantische Lieblichkeit. Das französische Modehaus Chloé macht es vor: Man muss bloss den Namen hauchen und weiss sogleich, wie sich eine Frau fühlt, die eines dieser Kleider aus luftigem Nichts trägt. Ein wenig nackt, ein wenig göttinFortsetzung auf Seite 8 nenhaft, bohemisch und auf jeden Fall «très française». Überhaupt können Sie Ihre steif geschnittenen Mini- und Midi-Röcke in A-Linie der Herbstgarderobe bis zur nächsten 1960er-Welle im Schrank versorgen. Der Sommer verlangt nach fliessenden Stoffen.

Der «Hippie Day Dress» ist gross im Kommen. Vielleicht tragen Sie ihn nicht gerade im Büro, denn er verleitet schnell zum Schneidersitz. Flanieren Sie stattdessen mit ihm durch die Natur, tragen Sie flache Sandalen dazu (hier muss man strikt sein!) und offenes Haar, das Sie in der Mitte des Kopfes scheiteln und vielleicht sogar mit einer wilden Blume zieren. Die Mode wird jetzt einen Zacken entschleunigt. So schritten die Models beim belgischen Designer Dries Van Noten zu Vogelgezwitscher über einen moosbedeckten Catwalk. Am Schluss der Show legten sie sich sogar hin, um darauf ein wenig vor sich hin zu träumen.

Das gestresste Publikum der Paris Fashion Week tobte vor Begeisterung ob dieser modischen Beruhigungsspritze. Diese liess es in eine harmonische Märchenwelt abgleiten, bevor es zum nächsten Termin hetzte. «Ich will die Leute daran erinnern, dass das Leben auch schön sein kann», sagt Van Noten. «Trotz allem Hässlichen, das um uns herum passiert.»

Aus der umgekehrten Birne wird die umgekehrte Trompete

Nicolas Ghesquière, den wir hier schon oft gelobt haben, nimmt sich – wie viele seiner Berufskollegen – nach den Sixties nun die Seventies zur Brust. Er gibt der Schlaghose (auch von ihrem Siegeszug haben wir hier schon mehrfach berichtet) einen neuen Twist – indem er sie mit Hochwasser-Beinen ausstaffiert. Seine in Braun, Grün und Violett bedruckten Velours-Modelle erinnern ein wenig an Sofa-Polster aus dem Brockenhaus.

Wer sich für Stilfragen interessiert, darf sich davon aber nicht erschrecken lassen. Ein wenig Mut zur Hässlichkeit ist im Modebereich manchmal nicht nur gefragt, sondern ausdrücklich erwünscht. Wo kämen wir auch hin, wenn immer alles nur schön wäre!

Das bringt uns zurück zur Schlaghose. Mit ihrem Aufmarsch verändert sich die Silhouette in der Mode. Keulen-Ärmel und «kastige» Oberteile können wir diese Saison vergessen: Die jüngst gefeierte Oversize-Silhouette (oben breit, unten schmal wie eine umgekehrte Birne) rutscht tiefer und gleicht im Extremfall einer nach unten gerichteten Trompete.

Selbst die Cocktail-Kleider sind nicht mehr ultrakurz. Und nackte Haut wird nicht mehr nur an den Beinen gezeigt, sondern durch Einschnitte und unsichtbare Einsätze auch an anderen Körperstellen. «In der Branche frönen wir gerade der Nostalgie», sagt der britische Designer Jonathan Anderson. «Das liegt daran, dass wir in einer Zeit leben, in der niemand weiss, wohin wir gehen.» Eine Unsicherheit, die auch in den Kollektionen von Céline und Prada zum Ausdruck kommt: Die Kleider wirken unfertig und umgestülpt, sind mit groben Nähten verziert oder am Saum ausgefranst – als seien sie zu früh aus den Schneiderateliers geholt worden.

Es ist einfacher zu wissen, was nicht geht

Bei Ihnen hat es bis jetzt nicht Klick gemacht? Dann können Sie noch auf den Denim- oder Schwarz-Weiss-Express aufspringen. Oder auf sportliche Kleidung, die Farbe Khaki, Blumenmuster und wilden Mustermix setzen. Diese Trends sind nicht wirklich neu, sondern immer wiederkehrend. Deshalb ist es nützlicher zu wissen, was kommende Saison Pause macht:

Die Bomberjacke: Passt nicht zum Summer of Love, der uns in der Mode erwartet.

Geometrische Farbmuster: Sie müssen Ethno-Prints und psychedelischen Mustern weichen.

Statement-Shirts: Sprüche auf Kleidern sind passé.

Smokey Eyes: Lieber mal ganz ohne Make-up aus dem Haus.

Asymmetrischer Ohrschmuck: Der lange Ohrring an einem Ohr kommt ins Schmuckkästchen.

Alles von Moschino: Die ultrakitschigen Kollektionen von Designer Jeremy Scott waren nur sehr kurze Zeit lustig.

Ganzer Artikel mit allen Trends

%d Bloggern gefällt das: