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In «20 Minuten Friday» on 17. Februar 2012 at 11:41

friday_poloJill und Dayna Waechter spielen Polo – ein Sport der Elite. Ansonsten ist in ihrem Leben alles ganz normal, sagen sie.

Sie gelten als Schweizer Nachwuchshoffnungen des Polos, einer der luxuriösesten Sportarten der Welt: Jill Waechter, 17, eine kühle Schönheit, die von ihren Freundinnen als aufgeschlossen beschrieben wird, und ihre Schwester Dayna, 15, die immer etwas skeptisch lächelt und der oft gesagt wird, sie gleiche Michelle Hunziker.

Polo liegt bei den Zürcherinnen in der Familie: Vater Daniel ist selbst passionierter Spieler. Der Heizungs- und Sanitärunternehmer organisiert das Klosters-Snow-Polo-Turnier, bei dem auch Jill und Dayna antreten.

«Die meisten Leute kennen Polo aus dem Film ‹Pretty Woman›», sagt Jill. Dort hat Julia Roberts als ehemaliges Mädchen aus der Gosse ihren ersten Auftritt in der High Society bei einem Poloturnier, trägt Sommerkleid, Hut, weisse Handschuhe. In Klosters gibt man sich etwas weniger vornehm, positioniert sich als volksnahe Version des bekannten World Cup in St. Moritz. Anstelle von Champagner gibts Glühwein, und die Unterländer, die wegen des Konzerts der 80ies-Band Duran Duran angereist sind, tragen keinen Pelz, sondern praktische Outdoor-Bekleidung.

Sie schauen Jill und Dayna zu, wie sie auf ihren muskulösen Mini-Pferden mit den langen Schlägern versuchen, den Ball ins gegnerische Tor zu schiessen. Beim Angriff ist ihr Oberkörper kerzengerade nach vorne gerichtet, wie ein leicht geöffnetes Sackmesser. Wenn sie die Zügel an sich reissen und sich um 180 Grad drehen, wirbeln ihre blonden Haare durch die Luft. Das sieht schwierig aus, gefährlich.

Der Sport ist auch nicht ganz billig.Im Polo Park Zürich in der Nähe Winterthurs bezahlt man als erwachsenes Neumitglied ein einmaliges Eintrittsgeld von 5000 Franken plus 5500 Franken Jahresgebühr, als Jugendlicher die Hälfte. Exklusivere Clubs, viele davon in den USA, können pro Jahr aber bis zu 100 000 Dollar kosten. In manchen Poloclubs wird der Mitgliederausweis gar wie eine goldene Uhr von Vater zu Sohn (oder Tochter) weitervererbt.

«Man muss aber nicht gerade Multimillionär sein», sagt Jill. «Ich fände es super, wenn mehr Junge Polo spielen würden.» Teuer werde es erst, wenn man auf Wettkampfniveau spiele. «Dort braucht man eigene Pferde.»

Jill und Daynas Familie besitzt vier davon. «Wir lieben sie, sind aber keine Rössli-Meitli, die Poster aufhängen», sagt Dayna. Oxiana, Nevadita, Pampita und Frutilla, wie die Tiere heissen, werden rund um die Uhr von Pflegerin Becky betreut. Sie kommt aus England, wo auch die prominentesten Polospieler leben: Prinz William und Prinz Harry – nicht umsonst gilt Polo als Sport der Könige. Mit einem Handicap von -1 sind Jill und Dayna den Prinzen (beide +2) auf den Fersen.

«Die Geschwindigkeit und das Adrenalin, das dabei ausgeschüttet wird, sind das Coole am Polo», sagt Dayna. «Und dass das Team an erster Stelle steht», sagt Jill. Wenn Saison ist, trainieren die beiden bis zu fünfmal pro Woche mit Gleichaltrigen. Darunter auch Töchter der Sprüngli-Dynastie oder Söhne von Investmentbankern. Es sind Teenager, die Dinge sagen wie: «Wenn ich nicht Polo spiele, büffle ich für gute Noten.» Oder: «Im Moment stecke ich mir meine Ziele erst einmal bis zur nächsten Saison.

Jill und Dayna leben bei ihrer Mutter an der Zürcher Goldküste. Spielen sie nicht Polo, lernen sie für die Schule. Vor allem Dayna muss im Gymnasium viel leisten, hat mehr zu kämpfen als ihre Schwester, die eine Privatschule besucht. Wenn man die Mädchen fragt, wohin sie ausgehen, welche Musik sie hören oder ob sie verliebt sind, reagieren sie zurückhaltend. «Alles ganz normal», sagen sie. Aber haben sie wenigstens schon einmal Prinz Harry spielen sehen? Dayna: «Nein, aber Adolfo Cambiaso. Er ist der beste Polospieler der Welt.»

Am Abend nach dem Turnier sitzen Jill und Dayna neben ihrer Mutter beim Bankett. Die Crevetten zerlegen sie mit Messer und Gabel, wie es sich gehört. Sie wissen sich perfekt zu benehmen. Nur am Gespräch mit den Erwachsenen beteiligen sie sich nicht, schreiben lieber SMS unter dem Tisch. «Meine Mutter hat immer Angst, dass ich wegen demPolo die Schule vernachlässige», sagt Dayna. Wie jeder Teenager fragt sie sich im Unterricht wahrscheinlich manchmal, wofür sie das alles überhaupt braucht. Dann kann sie vom Polo träumen.

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