Journalist

La vie en rose

In «20 Minuten Friday» on 2. Oktober 2009 at 08:56

friday_biancaModel Bianca Gubser studiert in Paris, feiert auf Ibiza und hat Bekannte auf der ganzen Welt. Aber eine beste Freundin hat sie nicht.

bianca betritt die Lobby des charmant verstaubten Hotel Normandy im 1er Arrondissement. Hinter ihrer grossen, schlanken Silhouette schliesst sich die Schwingtür mit Getöse. Sie setzt ein Lächeln auf, das ganze Armeen entwaffnen könnte, das aber nicht von den Schatten unter ihren Augen ablenkt. Sie sieht etwas müde aus.

Der Tag des Friday-Modeshootings beginnt um acht Uhr früh. Wir inszenieren die 20-jährige Zürcher Jetsetterin an den schönsten Orten ihrer neuen Homebase Paris. Im coolen French Chic, der super zu Bianca passt. Die ja schliesslich auch an der Sorbonne studiert. Nebenbei. Vor dem Make-up ist Zeit fürs Interview. Im Frühstücksraum bestellt sie eine Cola Light und ein hartgekochtes Ei. «Du kannst mich fragen, was du willst», sagt sie.

Friday: Also gut, Bianca. Hast du eine lange Nacht hinter dir?

Ich bin erst gestern von der jüdischen Hochzeit einer Freundin aus London zurück nach Paris gekommen und verbrachte den ersten Abend in meiner neuen Wohnung.

Keine Party?

Eine Freundin war zu Besuch, mein Mitbewohner hat gekocht, wir haben gequatscht. Plötzlich war es halb zwei – und heute morgen musste ich schon um sechs Uhr aufstehen.

Du wirst als It-Girl bezeichnet.

Ich kaufe gern ein und mache Party. Heisst das, ich bin eines?

It-Girls haben das gewisse Etwas. Alle wollen sein wie sie.

Manchmal sagen mir Mütter, wie lässig mich ihre Töchter finden. Das freut mich. Viele haben aber falsche Vorstellungen.

Inwiefern?

Sie denken, dass ich nur in der Welt herumjette. Dabei arbeite ich und stehe finanziell auf eigenen Beinen.

Es läuft ganz gut für Bianca in Paris: Zwei bis drei Mal wöchentlich hat sie einen Model-Job. Meistens posiert sie für Werbekampagnen. Damit verdient sie mehrere tausend Franken täglich, Unterwäsche-Shootings sind noch ein Stück besser bezahlt. Nur auf Editorials in namhaften Hochglanzmagazinen wie «Vogue» oder «Elle» wartet sie noch.

Hast du Angst, dass dir mal das Geld ausgehen könnte?

Eigentlich nicht. Denn es gibt ja immer noch meine Mutter, die mir finanziell Rückhalt gibt. Sie kann mir aber nicht mehr verbieten, jedes Wochenende zu verreisen – jetzt, wo ich selbst bezahle.

Wo hast du in letzter Zeit deine Freizeit verbracht?

Diesen Sommer war ich fast jedes Wochenende auf Ibiza. Nächstes Jahr lasse ich St. Tropez wahrscheinlich aus und gehe direkt wieder dorthin. Die Partys sind einfach besser.

Dein nächstes Reiseziel?

Das Oktoberfest in München. Danach gehts für einen Job nach Lissabon.

Nebenher ist Bianca für ein Studium an der Pariser Universität Sorbonne eingeschrieben. Unter der Woche lernt sie dort fünf Stunden täglich alles über französische Literatur, Grammatik und Kultur. Das Gute daran: Sie darf auch mal fehlen, wenn sie Model-Jobs hat. Vor zwei Jahren besuchte sie während eines Semesters die American University of Paris, ein «Club Med für Reiche», wie sie es nennt. «Die Rich Kids werden von den Eltern einfach mal dorthin geschickt, damit sie irgendwas machen. Das einzig Mühsame waren die Präsenzzeiten.»

Mit ihrem schwedischen Kumpel Marcus, den sie von der Rich-Kid-Uni kennt, teilt sie sich jetzt eine Wohnung im wohlhabenden 16. Arrondissement: zwei Schlaf-, zwei Bade-, ein Wohnzimmer, Putzfrau. Und nächstes Jahr will sie in New York Fashion Merchandising studieren, eine Ausbildung rund ums Vermarkten von Mode. «Falls ich es mir nicht wieder anders überlege.»

Du hast über tausend Facebook-Freunde auf der ganzen Welt.

90 Prozent davon kenne ich nur oberflächlich.

Wer ist deine beste Freundin?

Das sind Sophie aus München, Noemi aus Mailand, Fanina aus Zürich, Luisa aus Monaco …

Das sind aber viele beste Freundinnen.

Beste Freundinnen habe ich keine. Ich habe aufgehört damit.

Seit wann?

Seitdem ich gemerkt habe, dass auch sogenannte beste Freundinnen vor meinem Freund nicht haltmachen.

Das ist bitter.

Ja, Frauen können sehr skrupellos sein.

Wird es dir in Zürich eigentlich manchmal zu eng, wenn du zwischen Ibiza, Paris, London und New York wieder mal dort Station machst?

Manchmal habe ich Mühe, weil ich dort oft auf Dinge angesprochen werde, die ich hinter mir zu haben glaube. Hey, ich lebe ein völlig anderes Leben als vor einem Jahr! Aber zu eng in Zürich – nein. Es ist meine Heimatstadt, ich liebe sie.

Klar: In der Schweiz wird Bianca immer auf ihren Ex-Freund Carl Hirschmann angesprochen. Als 14-Jährige kam sie mit dem acht Jahre älteren Zürcher Clubbesitzer und Millionärssohn zusammen, letztes Jahr trennte sich das Paar. Sie geniesse es gerade sehr, Single zu sein, sagt Bianca. Wie geht sie eigentlich damit um, dass ihre Mutter Raquel Lehmann den Multimillionär Jürg Marquard heiratete? «Ich habe manchmal Mühe damit, wenn ich deshalb automatisch als Rich Kid vom Dienst abgestempelt werde. Ich mag Jürg sehr. Aber ich bin nicht seine Tochter.» Biancas leiblicher Vater ist Roger Gubser, Abteilungsleiter bei einer Versicherung. Ihn trifft sie, wann immer sie in Zürich ist. Warum wird er in Zusammenhang mit Bianca kaum erwähnt? «Der Jetset ist nicht seine Welt.»

Bist du eigentlich auch mal traurig?

An Tagen, an denen ich gern einen Freund hätte. Oder wenn ich plötzlich denke, meine Model-Karriere müsste noch besser laufen.

Setzt du dich selbst unter Druck?

Nicht nur ich. Auch meine Mutter hat sehr hohe Erwartungen an mich. Wenn ich die nicht erfülle, gibt es Krach.

Wann?

Wenn ich zum Beispiel zu spät ins Bett gehe vor einem Shooting und sie es herausfindet.

Das Interview ist vorbei. Das heisst nicht, dass Bianca im Lauf des Tages nichts mehr sagt: Schon im Lift zum Hotelzimmer, wo geschminkt wird, plappert sie weiter. Als der Bus, der die Crew zu den verschiedenen Locations fährt, am berühmten Place du Trocadéro fürs Covershooting parkiert, spasst sie beim Umziehen: «Hätte ich nicht gedacht, dass ich einmal in String und BH auf diesem Platz stehe.» Zwischendurch staunt sie immer wieder über die Schönheit von Paris: «Wow, hier wohne ich!», bucht Flüge per Telefon und chattet nonstop übers Blackberry. Um fünf Uhr ist Schluss. Bianca umarmt jeden, stöckelt davon. Dann dreht sie sich nochmal um und wirft allen eine Kusshand zu.

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